10 Jahre „Babbelnachmittag“

Seit nunmehr 10 Jahren gibt es im Gemeindehaus der evangelischen Stadtkirchengemeinde Groß-Gerau den „Babbelnachmittag im Kirchen-Café“. Wie kam es überhaupt dazu?

Die gut besuchten Seniorennachmittage, die von Herrn Pfarrer Bernhard gestaltet werden, gibt es bekanntlich schon länger. Hier werden ausgewählte, interessante Themen angesprochen; auch Gastreferenten kommen zu Wort. Es wird gesungen und gebetet.

Unterbrochen wird der Nachmittag von einer Pause, in der Kaffee und Kuchen gereicht werden. Und genau diese Pause war manchen BesucherInnen zu kurz, um miteinander Gespräche zu führen.
Man hat immer wieder gehört: „Ach, des is ja alles ganz schee, awwer viel Zeit zum Babbele ham mer net!“ So wurde kurzerhand beschlossen, ab Frühjahr 2008 einen „Babbelnachmittag“ einzurichten, der ausschließlich der Unterhaltung untereinander gewidmet ist.
Herr Bernhard fragte mich damals, ob ich mich um die Organisation kümmern würde, was ich gerne übernommen habe.

Gesprächsthemen sind oft Erlebnisse aus früheren Zeiten, natürlich spricht man auch über gesundheitliche Probleme und nicht zuletzt werden aktuelle Neuigkeiten ausgetauscht.

Es gibt Kaffee, Tee, Mineralwasser, Kuchen und Torte. Über eine kleine Spende in unser Sparschwein freuen wir uns.
Über Kuchenreste brauchen wir uns keine Gedanken zu machen; für die sind unsere Posaunenbläser, die nach uns abends ihre Proben haben, dankbare Abnehmer.

Der „Babbelnachmittag im Kirchen-Café“ findet an jedem dritten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr statt. Im Juli machen wir eine Sommerpause, im Dezember und Januar ist Winterpause. Die Termine sind immer im jeweils gültigen Stadtkirchenboten vermerkt und werden auch im Groß-Gerauer Echo bekannt gegeben.

Also dann, kommen Sie doch einfach mal vorbei. Über Zuwachs würden wir uns sehr freuen. Sie sind herzlich willkommen!

Verfasser/in des Artikels ist der Redaktion bekannt.

Der Seniorentreff mit Pfarrer Bernhard – ein besonderer Nachmittag im Advent 2016.

Wie jeden ersten Mittwoch im Monat – selten ist es auch ein anderer Mittwoch – begrüßten wir viele Gäste zum Seniorentreff im Advent. Dieser vorweihnachtliche Seniorentreff ist immer etwas besonders. Wir - das Seniorentreff-Team sind Beate Altmann, Ingrid Krämer und ich - hatten den Saal im Gemeindehaus vorher festlich dekoriert. Unsere Gäste sollten einen angenehmen Nachmittag genießen können.
Herr Pfarrer Bernhard hatte das Thema „Weihnachtslieder“ ausgesucht. Welche Geschichte oder Legende wird zu dem Lied „Es kommt ein Schiff geladen“ oder zu „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ erzählt? Welches ist ein typisch evangelisches oder ein katholisches Weihnachtslied? Wir konnten wie-der viel Neues erfahren. Natürlich durften wir die Lieder dann auch alle gemeinsam singen, mit Klavierbegleitung von Wiebke Friedrich und auch mal von mir. Zudem gab es noch viele Überraschungen. Vom Seniorentreff-Team bekam jeder der Gäste selbst gemachte Geschenke, von Herrn Bernhard wurde jeweils eine Karte passend zum Weihnachtslied überreicht und wie immer wurde leckerer Kuchen mit Kaffee und Tee serviert.
Auch wir vom Seniorentreff-Team, Wiebke Friedrich und Herr Pfarrer Bernhard erhielten tolle Weihnachtsüberraschungen von den Senioren. Sie hatten gesammelt, um uns eine Freude zu bereiten, und zeigten uns damit, wie sehr ihnen die Nachmittage gefallen.
Nicht bei jedem Seniorentreff gibt es so viele Geschenke, aber es ist ja auch nur einmal im Jahr Weihnachten.
Übrigens ist das typisch katholische Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“, und „O du fröhliche“ das eher typisch evangelische.
Es sind nicht nur die materiellen Dinge, welche den Seniorentreff zu einer beliebten Runde machen. Es ist unsere Vorfreude auf den Tag, auf die immer interessanten Themen und die fröhliche Gemeinschaft aller Beteiligten.
Auch in diesem Jahr gibt es wieder den monatlichen Seniorentreff mit Pfarrer Bernhard. Auch neue Gäste sind bei uns immer herzlich willkommen. Wir freuen uns auf die gemeinsamen Nachmittage.
Zu Besuch beim Babbelnachmittag

„Ich bin viel zu früh“, denke ich, als ich im Anschluss einiger Erledigungen mit dem Fahrrad vor dem Gemeindehaus bremse und bin überrascht, dass sich die ersten Besucherinnen des Babbelnachmittages schon zu einem ersten Schwätzchen auf der Bank in der Sonne eingefunden haben. Noch ahne ich nicht, welch interessante zwei Stunden auf mich warten.
Einmal im Monat - an einem Mittwochnachmittag um 15 Uhr - treffen sich SeniorenInnen bei Kaffee und Kuchen an einer liebevoll eingedeckten Tafel zum „Babbeln“ im Gemeindesaal. Ein Angebot, das gerne angenommen wird. An Tischende hat sich ein munteres Sechser-Grüppchen zusammengefunden. „Wir machen auch zusammen Gymnastik,“ erzählt Frau I. „Das hält fit! Damit werden wir hundert Jahre halt.“ „Bloß nicht“, ertönt es von nebenan. „So alt will ich nicht werden!“ „Wissen Sie, dass „So nimm denn meine Hände“ ein Tauflied ist?“, erzählt eine Tischnachbarin. „ Wenn ich tot bin, ist meine Seele eh schon bei Gott, da brauche ich seine Hände nicht mehr!“ Ich bin mitten im „Babbelngeschehen“ gelandet und erinnere mich, dass wir uns dieses Lied zu unserer Hochzeit gewünscht haben. Der damalige Pfarrer meiner Pfälzer Heimatgemeinde fand dieses Lied gänzlich unpassend, eben nur für Beerdigungen geeignet. Hätte er das nur gehört! Wir mussten uns damals durchsetzen und der Text begleitet mich noch heute in allen Lebenslagen.
Frau O. ist heute zum ersten Mal mit dabei und wurde von ihren Turnpartnerinnen mitgeschleppt. „Ich besuche regelmäßig den Seniorennachmittag, mal sehen, ob ich das „Babbeln“ verstehe!“ Als ich um ein Foto des munteren Grüppchens bitte, ertönt keck die Frage: „Kommen wir ins Echo?“ „Nur in der Stadtkirchenboten, aber was nicht ist, kann ja noch werden!“
Frau R. fühlt sich seit ihrer Jugendzeit mit der Kirchengemeinde sehr verbunden. „Zwölf Jahre war ich im Kirchenvorstand und habe lange Zeit in der Kantorei mitgesungen. Jetzt genieße ich es, wenn andere aktiv sind und freue mich über die schönen Angebote. Die Seniorentreffen zweimal im Monat sind für mich immer ein Höhepunkt. Am Babbelnachmittag genieße ich den freien Austausch. Der Seniorennachmittag ist etwas für die Seele. Herr Bernhard lässt sich immer etwas Schönes einfallen. Gerade, wenn man alleine ist, ist das ein wichtiges Angebot für uns Senioren.“ Ich bin mitten unter echten „Groß-Gerauer Mädeln“ gelandet.“ „Weißt du noch, wie wir als Jugendliche beim Krippenspiel mitgemacht haben;“ schwelgt Frau E. in Erinnerungen. „Du warst die Maria, ich einer der Engel! Nach dem Krieg hatten wir nichts, ein Betttuch, ein Papierkrönchen auf dem Kopf, fertig! Und was haben wir viel gesungen. Manchmal haben wir uns so viele Witze erzählt, dass der Chorleiter uns zur Ruhe ermahnen musste, bevor er anfangen konnte.“ Es scheint, als hätte sich manches bis heute nicht geändert! „Und bei meiner Konfirmation im kleinen Gemeindehaus wurden Platzkarten vergeben, die Kirche war ja ausgebombt!“
Unerwartet sitze ich Zeitzeuginnen der Zerstörung unserer Stadtkirche gegenüber. „Als Kind habe ich gesehen, wie der brennende Kirchturm eingestürzt ist. Das war schlimm!“, erzählt Frau E. „Und meine Schwester wurde in der zerstörten Kirche getauft, da hat man den Vorraum irgendwie hergerichtet! Und ich habe gesehen, wie die Glocken von den Nazis abgenommen wurden und die große Glocke herunterfiel. Kennen Sie den Ausdruck „Kippen stechen“? Wir haben die angerauchten Kippen der Amis gesammelt, den Tabak herausgekrümelt und dafür andere Sachen eingetauscht!“ „Meine Güte, wie groß war die Freude über den ersten Kühlschrank nach dem Krieg“, weiß Frau M. zu berichten. „Und wir wurden im Gemeindehaus getraut!“ „Und ich bin in der Kirchschule eingeschult worden, da wo, jetzt das Gemeindehaus steht!“, wirft ihre Nachbarin ein.
Das ist es: In Erinnerungen schwelgen, über schwere und gute Zeiten reden. Sich auszutauschen, über das, was bewegt! Neues aus Groß-Geraus zu erfahren! Was der eine nicht weiß, weiß der andere. So ist man auf dem Laufenden! Einfach mal zwanglos babbeln und dazu Zeit haben! So verarbeitet man tragische Erfahrungen des Krieges und der Nachkriegszeit gemeinsam und zehrt von den schönen Erlebnissen des Lebens. Und es lohnt sich, den Weisheiten und Lebenserfahrungen der Senioren zuzuhören. Ich jedenfalls bin heute dankbar, dass mir und meiner Familie die Schrecken und Ängste eines Krieges erspart geblieben sind und ich werde wieder einmal daran erinnert, wie gut es uns geht.
Auch wenn vorwiegend Frauen das Angebot des Babbelnachmittages in Anspruch nehmen, sind auch Männer willkommen. Herr M. ist heute der einzige Mann. „Ich bin heute die Dorne unter lauter Rosen“, sagt er schmunzelnd. Ein bunt gemischter Kreis im Alter von sechzig bis dreiundneunzig Jahren. Keiner will den Babbelnachmittag missen. Alle sind dankbar über das Engagement der beiden ehrenamtlichen Betreuerinnen.

„Die Zeit vergeht so schnell. Manche aus unserer Runde sind schon gestorben, aber wir freuen uns über jedes neue Gesicht“. Diesen Satz habe ich heute mehrmals gehört. Die Termine für die Babbelnachmittage finden Sie im Stadtkirchenboten und hier auf unserer Homepage. Jede /r ist willkommen. Einfach dazukommen und mitbabbeln!

Andrea Erdmann

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