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Die Stadtkirche in Groß-Gerau - meine Kirche

Ich möchte mit Ihnen eine Kirche besuchen. Die Zeit ist günstig, morgens um kurz nach 8.30 Uhr. Da ist es in den Kirchen, die für Besucher geöffnet sind, noch sehr leer. Sie haben sozusagen noch keinen Besuchsdienst. Ein paar vereinzelte Personen sind vielleicht schon da.
Im Petersdom in Rom trifft man dann höchstens ein paar Ordensleute beim Morgengebet und einige Römer auf dem Weg zur Arbeit, die an einem der Altäre beten. Drumherum kreisen die Bohnermaschinen und draußen scherzen die Carabinieri. Aber so weit will ich mit Ihnen gar nicht reisen!
Es geht nur nach Groß-Gerau in unsere Stadtkirche. Wir betreten die Eingangshalle, tauchen bei Sonnenschein in ein hellblaues Lichtspiel ein, lassen uns von den Gegenständen am Boden oder an der Wand inspirieren.
Und dann betreten wir den Innenraum der Kirche und sind sofort mitten drin. Hier kann man mit Psalm 122 sagen: „Nun stehen unsere Füße in deinen Toren.“
Diese Kirche ist eine Kirche ohne große Vorreden. Es sind keine Bohnermaschinen unterwegs sondern lediglich unser Küster. Er wechselt die Kerzen an der Kerzenwand und bewegt sich vertraut durch den Kirchenraum. Gleich wird eine Schulklasse hereinkommen, deren Lehrer – ein Schulpfarrer– jedes der kunstvoll gestalteten Fenster erläutern wird.
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Meine Kirche das Lied im EG+

Der Anfang der zweiten Strophe lässt mich an viele schöne Gottesdienste und Andachten denken. Wenn wir uns zum Beispiel beim Gottesdienst am Gründonnerstag im Chorraum ganz nah sind und gemeinsam das Abendmahl feiern, wenn uns die Konfirmandinnen und Konfirmanden bei ihrer Vorstellung von der Begrüßung bis zum Segen mit durch ihren Gottesdienst führen, wenn sich die Musik unserer Organisten und unserer Musikgruppen so richtig gut in das gottesdienstliche Geschehen einbettet ist, wenn eine Passionsandacht, vorbereitet von Volker Lilje und Pfr. Bernhard und ausgeführt von engagierten Gemeindemitgliedern, die Besucher voll ins Herz trifft… Abwechslungsreich, kreativ und oftmals überraschend sind unsere Gottesdienste. Und immer wieder beteiligen sich auch Menschen unserer Gemeinde bei ihrer Gestaltung.
Im weiteren Verlauf der zweiten Strophe denke ich aber natürlich auch an die vielen, vielen Menschen in unseren Musikgruppen, an die Kinder des Kigo´s und der Krabbel-gruppen, die alle wöchentlich unser Gemeindehaus bevölkern. Oder auch an die Flüchtlinge, die sich im Gemeindehaus zu Deutschkursen treffen und die wir auch regelmäßig in unseren Gottesdiensten treffen.
Aber natürlich ist Kirche nicht nur die Gemeinde vor Ort. Sie ist ein Großes und Ganzes. Und so ruft uns die dritte Strophe wie eine Predigt dazu auf, wozu wir uns als Christen sowieso verpflichtet haben sollten, nämlich zur Nächstenliebe und Barmherzigkeit mit allen Menschen auf der ganzen Welt.
Ganz oft sprechen mich Leute an und sagen „Bei euch an der Stadtkirchengemeinde ist soviel los. Wie macht ihr das nur?“ Zukünftig könnte ich darauf mit dem Kehrvers dieses Liedes antworten. Wir haben einfach ganz viele Menschen, die sich in verschiedenster Art und Weise engagieren und dabei sind und davon lebt unsere Stadtkirchengemeinde!
Beim Mitsingkonzert haben wir das Lied ja gemeinsam gesungen. Vielleicht ging es Ihnen ähnlich wie unserem Pfarrer Helmut Bernhard und Sie haben gedacht: „Naja, die Melodie am Anfang ist ja irgendwie nicht so der Knaller“. Natürlich werden zu Beginn des Liedes nur wenig Töne verwendet. Ich denke, weil dort in erster Linie erstmal der Text, also der Inhalt im Vordergrund stehen soll. Man soll sich darauf konzentrieren können und nicht gleich von einer schönen Melodie abgelenkt werden. Umso schöner dann die Stelle in der vierten Liedzeile, wenn sich die Melodie genau bei dem Wort „Gott“ über eine E-Dur-Harmonik in die Höhe schwingt und schließlich im Kehrvers endet, der so eingängig komponiert wurde, dass ihn jeder und jede nach ein-, zweimaligem Hören mitsingen kann.
Übrigens - sowohl der Dichter als auch der Komponist dieses Liedes kommen aus unserer Landeskirche und sind in Frankfurt als Pfarrer bzw. Kirchenmusiker tätig.

Wiebke Friedrich, Kantorin
Meine Kirche - Stimmen aus der Gemeinde - Friederike:

Eine halbe Stunde vor der Posaunenchorprobe treffe ich Friederike auf einer sonnigen Bank vor dem Gemeindehaus. Friederike verbringt viel Zeit in der Kirche. Sie spielt Trompete im Posaunenchor, singt im Jugendchor und in der Kantorei, und viele von uns konnten sich schon von ihrer klaren engelsgleichen Stimme bei einem Solo in Konzerten und Gottesdiensten berühren lassen.
„Ja, die Kirche ist meine Heimat!“, erzählt Friederike. „Mit vier Jahren habe ich im Kinderchor angefangen. Das Schöne ist: Man findet in den musikalischen Gruppen alle Altersklassen. Da ist etwas Starkes herangewachsen, das verbindet. Das gibt es nicht überall. Und wenn ich sehe, wie die Musik anderen Freude bereitet, erfüllt mich das selbst mit Freude. Beim Musizieren kann ich vom Schulalltag abschalten, mich entspannen und Kraft tanken!“
Für Friederike ist es wichtig, dass die Kirche als Heimat ein offener Ort für alle Menschen bleibt. „Jeder kann kommen, jeder ist eingeladen ohne soziale und kulturelle Grenzen! Für mich wird die Stadtkirchengemeinde immer meine Heimat bleiben.“ Eine Weile sitzen wir schweigend nebeneinander. „Ob ich ohne die Stadtkirchengemeinde und ihre Angebote meine Liebe zur Musik gefunden hätte? Ich weiß es nicht? Erst war es nur ein Hobby und jetzt überlege ich, die Musik auch zu meinem Beruf zu machen“, unterbricht Friederike die Stille. „Es scheint, als hätte dir die Kirche als Heimat auch die berufliche Zukunft ein Stück mit „in die Wiege“ gelegt? Sie hat dir einen fruchtbaren Boden gegeben, in den du deine Wurzel schlagen, festigen und so in deinem Talent wachsen konntest?“, frage ich. „Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Alles ist einfach so entstanden und mit der Zeit gewachsen. Aber ja, das ist eine schöne Formulierung!“, lautet die Antwort. „Und sie wird mich weiterhin darin unterstützen. Ich kenne Menschen, die mir weiterhelfen und mich in meiner Selbstreflektion unterstützen. Das bekräftigt mich in meinem Wunsch, Lehramt zu studieren. Musik und…mal sehen. Dafür bin ich sehr dankbar. Und ich wünsche mir, dass es so bleibt, auch wenn es einmal personelle Wechsel in unserer Gemeinde geben sollte.“
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