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Ich schaffe das!

Umzug mit Klavier und Orgel
Vielleicht haben Sie mitbekommen, dass ich innerhalb von Groß-Gerau umgezogen bin. In die einzige Wohnung, die ich mir angeguckt und in die ich mich bei der ersten Besichtigung sofort verliebt habe. Eine Wohnung in der Mainzer Straße, die sich über zwei Ebenen erstreckt. Eine Wendeltreppe führt nach oben in einen riesigen Raum mit viel Dachschrägen und wenig geraden Wänden. Zwei kleine Nischen gibt es dort. Sofort stand für mich fest, dieser Raum hier oben soll mein Musikzimmer werden: hier sollen mein Klavier, meine Orgel, meine ganzen Noten, Orffinstrumente, Keyboard usw. hin. Und das Klavier und die Orgel sollen jeweils in einer der beiden Nischen stehen! Soweit der Plan, allein die Umsetzung gestaltete sich dann doch mehr als kompliziert.
„Und wie willst du das Klavier und die Orgel nach da oben bekommen?“, war die Standardfrage. In meiner anfänglichen Naivität entgegnete ich noch: „So eng ist die Wendeltreppe nun auch nicht und so ein Klavier kann man ja auch in geringem Maße auseinanderbauen und die Orgel ist ja eh viel leichter als das Klavier.“ Nach drei Anrufen und Mailkontakten mit verschiedenen Klaviertransportfirmen war ich dann auf dem Boden der Tatsachen. „Das ist über die Wendeltreppe nicht möglich. Haben Sie da oben Fenster, durch die man die Instrumente heben könnte?“ Auf den ersten Blick sehe selbst ich, dass die Fenster zu klein sind, da müsste man sie schon mit Rahmen ausbauen lassen. Auch der Herr vom Umzugsunternehmen, der sich für ein Angebot meine Möbel anschaute, machte mir wenig Mut: „Also, Sie müssten das Vorderfenster zur Straßenseite mit Rahmen ausbauen lassen, dann würden wir einen Lastenaufzug quer über die Straße stellen, allerdings müsste dafür die Straße für mindestens eine Stunde gesperrt werden, das wird alles in allem nicht billig!“ Just in diesem Moment fuhr auch noch eine öffentliche Buslinie an uns vorbei. „Das wird in der Tat nicht billig!“
(Eine Idee aus dem Posaunenchor heraus, um die Kosten zu drücken, war zu diesem Zeitpunkt übrigens: mit Beginn des Aufbaus des Lastenaufzuges einen kleinen Auffahrunfall am Anfang der Mainzer Straße vorzutäuschen und somit die Straße zu blockieren und solange miteinander zu diskutieren, bis Klavier und Orgel in der Wohnung und der Lastenaufzug wieder abgebaut wäre…)
Noch wollte ich meinen Wunsch nicht aufgeben. Ich setzte mir selber ein finanzielles Limit, was diese Aktion kosten dürfte, und setzte mich ans Telefon, um bei den entsprechenden Firmen die Kosten zu ermitteln. So hatte ich ein paar Tage später eine Klaviertransportfirma zu Gast, die die Situation vor Ort begutachtete. Ergebnis: „Also, mit einem Lastenaufzug, das funktioniert nicht, selbst wenn Sie das Fenster ausbauen lassen. Ein Klavier steht nicht aufrecht, sondern liegt flach auf dem Aufzug, und dafür ist die Fensteröffnung nicht breit genug. So was ginge nur mit einem Autokran. Da hängt
das Klavier aufrecht dran und wird dann reingezogen.“
Sie werden erstaunt sein, dass sich mit dieser Aussage alles zum Guten wendete. Neben der neuen Wohnung am hinteren Fenster stand nämlich zu diesem Zeitpunkt ein Kran auf einer Baustelle und ich fragte die Fachmänner:
„Und der Kran, der da gerade steht, wäre es mit dem auch möglich?“
Antwort: „Klar, kein Problem!“
Schnell verabschiedete ich die beiden Herren und ging hinunter auf die Baustelle, wo glücklicherweise der Chef gerade vor Ort war. Nach der Schilderung meines Problems kam sofort das überaus freundliche Angebot: „Kein Problem, sagen Sie nur wann und dann mache ich Ihnen das.“ Wieder zwei Tage später hatte ich eine Fensterbaufirma zu Gast, die erfreulicherweise sagte: „Da haben Sie aber Glück, hier mit dem Fenster nach hinten raus, ist das ganz unkompliziert, das ist ja neu, da bleibt die Fassade unbeschädigt, das wird nicht teuer. Wenn es allerdings das andere Fenster nach vorne zur Straße gewesen wäre, das wäre sehr viel teurer gekommen.“ Jetzt hieß es nur noch Klaviertransportfirma, Fensterbaufirma und Kranfahrer zeitlich auf einen Termin zu bekommen und auf gutes Wetter zu hoffen. Und was soll ich sagen: An dem besagten Tag, Anfang Dezember war es trocken und mild, alle waren pünktlich, weder das Klavier noch die Orgel stürzten in die Tiefe, sondern landeten wohlbehalten im Dachraum meiner neuen Wohnung. Alle Beteiligten blieben unverletzt und auch das Fenster wurde nach einer trockenen und milden Nacht am nächsten Morgen wieder eingebaut, ohne dass irgendwelche Spuren zu sehen waren.
Jetzt muss nur noch der Klavierstimmer kommen…

Wiebke Friedrich
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