Stadtkirche Gross Gerau - Kruzifix
Die Bestattung: Ein Abschied, der zum Leben gehört - Quelle: EKHN

Alles hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit.
(Die Bibel, aus Prediger 3,1-8)
Dem Tod wohnt ein Schrecken inne, dem sich niemand ntziehen kann. Er nimmt Menschen von uns, die uns lieb sind, und führt uns vor Augen, dass wir vergänglich sind. Doch nach christlichem Verständnis behält der Tod nicht das letzte Wort. Der Glaube gibt Kraft, dem Tod zu begegnen, und die christliche Hoffnung reicht über den Tod hinaus.
Die Kraft des christlichen Glaubens:

"In deine Hände befehle ich meinen Geist“ - (Psalm 31,6)

Sosehr wir es uns auch wünschen:
Das Woher und Wohin des Lebens ganz zu ergründen bleibt uns Menschen letztlich verwehrt.

So, wie wir bei unserer Geburt nicht ahnen können, in welche Welt wir hineingeboren werden, bleibt uns auch der Blick über die Schwelle des Todes versperrt.
Formen der Bestattung :

Falls die oder der Verstorbene eine bestimmte Form der Bestattung ausdrücklich gewünscht hat, sollte diesem Wunsch nach Möglichkeit entsprochen werden. In allen anderen Fällen liegt es an den Angehörigen, eine Entscheidung zu treffen.

Gedanken zur Entscheidungsfindung

Es liegt ein tieferer Sinn darin, dass Friedhöfe und Gräber öffentliche und klar erkennbare Orte sind. Die Hinterbliebenen haben einen festen Ort des Gedenkens. Niemand kann von dem Besuch ausgeschlossen werden, da der Ort für alle zugänglich ist. Auch die Trennung zwischen einem „Ort der Toten“ und einem „Ort der Lebenden“ hat ihre Bedeutung. Die Angehörigen können Abstand zum Tod gewinnen, um zu ihrem eigenen Leben zurückzufinden. Und die Totenruhe ist gewährleistet.
Mehr zum Thema Bestattungsformen  [close]
Bedenken Sie dabei, dass die Art der Bestattung über Jahre und Jahrzehnte hinweg über den Ort des Gedenkens entscheidet. In der Vorstellung, dass der verstorbene Mensch an einem bestimmten Platz gut aufgehoben ist, liegt etwas Tröstliches. Es ist ein Unterschied, ob man ein sichtbares Grab vor sich hat, das man pflegen und gestalten kann, oder ob jemand im Gedenken allein auf seine Vorstellungskraft angewiesen ist, wie es beispielsweise bei einer anonymen Bestattung der Fall ist. Die christliche Bestattungskultur spricht für eine individuelle und öffentliche Form der Beisetzung. Für die Entscheidung kann es sinnvoll sein, die unterschiedlichen
Bestattungsabläufe zu kennen.

Die Erdbestattung

„Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zum Staube“ – mit diesen Worten werden seit Jahrhunderten Verstorbene beerdigt. Sie werden in die Erde gelegt, aus der ihr Leib nach biblischem Verständnis geschaffen wurde (Schöpfungsgeschichte, 1. Buch Mose 1). Demzufolge wird bei der Erdbestattung der Körper in einem Sarg der Erde übergeben, „von der er
genommen ist“. Die Angehörigen nehmen am Abschied unmittelbar teil. Sie gehen zu Fuß
mit zur Grabstelle und sehen, wo sich die letzte Ruhestätte befindet. Auf diese Weise wird der Abschied begreiflich. Nach der Bestattung können die Anwesenden untereinander Erinnerungen teilen und Kraft aus dem gemeinsamen Beisammensein gewinnen.

Viele Menschen entscheiden sich zu Lebzeiten, auch aus praktischen Erwägungen, für eine Feuerbestattung. Sie erfordert nur ein kleines Urnengrab bzw. weniger Platz im Familiengrab. Auch sind die Kosten für das Grab und die anschließende Grabpflege nicht so hoch wie bei einer Erdbestattung.

Jedoch sind bei dieser Bestattungsform einige traditionelle Abschiedszeremonien nicht oder nur eingeschränkt möglich. Je nach Kommune bestehen für die Einäscherung Wartezeiten von bis zu mehreren Wochen. Die Trauergemeinde verabschiedet sich also nach dem Trauergottesdienst aus der Trauerhalle, ohne den verstorbenen Menschen zur letzten Ruhestätte begleiten zu können. Erst mit größerem zeitlichen Abstand erfolgt die Urnenbeisetzung, der meist nur die engsten Angehörigen beiwohnen.

Die Beisetzung der Urne kann in einem Erdgrab erfolgen, in einem speziellen Urnengräberfeld oder in einer Urnenwand. Auch die Urnenbeisetzung wird auf Wunsch von der Pfarrerin oder dem Pfarrer begleitet.

In seltenen Fällen wird der Trauergottesdienst mit der Urnenbeisetzung verbunden. Dann wird die Urne statt des Sargs, umgeben von Kerzen, Kränzen und Blumen, in der Trauerhalle aufgebahrt. Die Urnenbeisetzung schließt sich in diesem Fall an die Trauerfeier an.

Der große zeitliche Abstand zwischen dem Todeszeitpunkt und der Beisetzung wird von vielen Angehörigen als sehr belastend empfunden.

Hierbei handelt es sich um eine Urnenbeisetzung im offenen Meer. Während der Fahrt zur Beisetzungsstelle wird die Urne in der Kajüte aufgebahrt. An der Beisetzungsstelle angekommen, wird die wasserlösliche Urne vom Kapitän an einem Seil im Meer versenkt. Die Angehörigen können der Zeremonie beiwohnen und erhalten eine Urkunde mit der genauen Position, an der die Urne ins Meer herabgelassen wurde.

Ruheforste sind weniger erkennbar und liegen außerhalb von Dorf oder Stadt. Auch hier besteht die Möglichkeit einer christlichen Trauerfeier in Begleitung einer Pfarrerin oder eines
Pfarrers. Die Asche Verstorbener wird in einem Waldgebiet in einer biologisch abbaubaren Urne zwischen den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. Am Baumstamm wird eine Plakette angebracht, die den Begräbnisort erkennbar macht, nach Wunsch wird auch eine Namensplakette an den Baum geschraubt. An einem Baum kann die Asche einzelner Personen oder – mit der Zeit – ganzer Familien bestattet werden. Der Baum ist Grab und Grabmal zugleich; die Grabpflege entfällt. Inzwischen bieten auch manche öffentliche Friedhöfe solche Formen der Bestattung an.

Bei einer anonymen Bestattung wird die Urne in einem Feld von anonymen Gräbern, wie zum Beispiel unter einer größeren Rasenfläche, beigesetzt. Die genaue Lage innerhalb des Grabfeldes wird nicht bekannt gegeben. Eine Teilnahme der Hinterbliebenen an der Beisetzung der Urne ist nicht an allen Orten üblich.

Die sterblichen Überreste eines Menschen in einen unvergänglichen Edelstein verwandeln?

Zum Wesensmerkmal des Menschen gehört die Vergänglichkeit, die sich daran dokumentiert, dass er wieder zur Erde wird. Das Pressen der Asche eines Verstorbenen in einen Diamanten überführt den Leichnam in eine Art künstliche Unvergänglichkeit. Wird der Diamant dann als Schmuckstück getragen, verletzt das die Würde des Verstorbenen. Denn Verstorbene bleiben auch im Tod das Geschöpf Gottes.
Darüber hinaus ist nach christlichem Verständnis das Totengedenken nicht nur ein individuelles Bedürfnis, sondern auch eine Gemeinschaftsaufgabe: Die Hinterbliebenen sind in ihrer Trauer nicht alleingelassen; die Verstorbenen – auch ohne die Angehörigen – werden aufgenommen in das gemeinsame Gedenken. Dabei ermöglicht die Bestattung auf einem öffentlichen Friedhof sowohl das individuelle als auch das gemeinschaftliche Gedenken. Er ist ein geschützter Ort und gewährleistet die Totenruhe.

Die EKHN setzt sich dafür ein, dass der Trend zur Individualisierung bis hin zur anonymen Bestattung nicht weiter verstärkt wird.
In der Gemeindearbeit, in der Seelsorge, in den Gottesdiensten, in persönlicher Begegnung möchte Kirche den Menschen vermitteln, dass alle, ohne Ansehen der Person, von Gott gleich geachtet sind und auch im Tode nicht vergessen werden. Bestattungsformen, die dazu führen, dass kein Ort der Erinnerung bleibt, sind in Frage zu stellen. Daher lehnt die EKHN solche Formen der Bestattung ab, die die Öffentlichkeit ausschließen und ausschließlich privaten Charakter haben, wie z.B. die Bestattung in Form eines Diamanten.

Die Würde des Menschen und die Achtung des Todes erlaubt darüber hinaus keine ausschließlich nach persönlich-individuellem Geschmack und Stil gestaltete „Aufbewahrung der sterblichen Überreste“. Wer wird z.B. für den im Diamanten Bestatteten Sorge tragen, wenn keine Angehörigen mehr da sind? Wer könnte sicher sein, dass er nicht einmal verwechselt wird? Wer erträgt es, einen solchen Diamanten zu verlieren? [Pfarrerin Christine Noschka, ergänzt am 4.4.2007.
   Acrobat Reader  Valid CSS!  Valid XHTML 1.0!
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Ja, ich akzeptiere